Die Natur ist wichtig

Unter Biodiversität versteht man die Artenvielfalt auf der Erde. Dieses lebendige Netzwerk ist das Herz der Natur: Es sorgt für reines Trinkwasser, für die Bestäubung von Anbaupflanzen, die Reinigung der Atemluft, die Regulierung des Klimas, die Fruchtbarkeit der Böden, die Bereitstellung von medizinischen Rohstoffen und liefert viele der Ausgangsmaterialien der verarbeitenden Industrie.

Die Artenvielfalt schwindet in einem nie dagewesenen Tempo

Alle Wissenschaftler sind sich einig: Weltweit schwindet die Artenvielfalt in einem nie dagewesenen Tempo. Dieser Verlust ist eng mit dem Klimawandel verknüpft und Teil der allgemeinen ökologischen Krise. Die Auswirkungen der schwindenden Artenvielfalt sind bereits zu spüren und werden sich – wenn die Tendenz anhält – weiter verschlimmern.

Schon gewusst?

  • Der Mensch hat bereits drei Viertel der Landflächen und zwei Drittel der Meeresflächen deutlich verändert.
  • Der Abbau und die Verarbeitung von Rohstoffen, Brennstoffen und Lebensmitteln sind der Grund für 90 % des Artenvielfaltverlustes und die Ursache für die Hälfte aller Treibhausgasemissionen.
  • Aktuell bräuchte die Menschheit das 1,6-Fache der Erde, um den jährlichen Bedarf an natürlichen Ressourcen zu decken.

Warum nimmt die Artenvielfalt ab?

Der Verlust von Lebensraum, die Ausbeutung natürlicher Ressourcen, der Klimawandel, die Umweltverschmutzung und massiv beeinträchtigende, nicht heimische Arten und Sorten sorgen für den Schwund der Artenvielfalt. Die zugrunde liegende Ursache für diese Krise ist aber die nicht nachhaltige Lebensweise der Menschen. Unser Bedarf an immer neuen Ressourcen führt auf der ganzen Welt zur übermäßigen Abholzung, zu einer unnatürlichen Bodennutzung und zur Zerstörung natürlicher Lebensräume.  

In Europa liegt die Hauptursache der schwindenden Artenvielfalt in der unnatürlichen Bodennutzung. Die Land- und Forstwirtschaft wird immer intensiver, setzt immer stärkere Chemikalien ein, lässt zwischen den Feldern immer weniger Platz für die Natur und neigt immer stärker zu artenarmen Monokulturen. Durch diese mangelnde Vielfalt werden beispielsweise sehr viel weniger Insekten und somit auch weniger Vögel angelockt.

Großstädte und städtische Gebiete haben sich zudem beträchtlich vergrößert und lassen immer weniger Raum für die Natur. Wenn Landwirtschaft und Städtebau die Natur verdrängen, ist eine schwindende Artenvielfalt die Folge.

Ist denn alles wirklich so gravierend?

Der Verlust der Artenvielfalt bedroht unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft. Es handelt sich hierbei um ...

  • ... ein Problem für Unternehmen, da das natürliche Kapital wesentliche Rohstoffe für die Industrie bereitstellt,
  • ... ein Problem für die Sicherheit, da der Verlust natürlicher Ressourcen vor allem in Entwicklungsländern zu Konflikten führen kann,
  •  ... ein Problem für das Klima, da die Zerstörung natürlicher Lebensräume die globale Erwärmung beschleunigt,
  • ... ein Problem für die Lebensmittelsicherheit, da die Bestäubung in unserem Lebensmittelsystem eine wesentliche Rolle spielt,
  • ... ein ethisches Problem, da der Verlust der Artenvielfalt die Ärmsten am stärksten trifft und die weltweite Ungleichheit noch verstärkt,
  • ... ein generationenübergreifendes Problem, da wir unseren Nachkommen lebenswichtige Ressourcen rauben,
  • ... ein moralisches Problem, da wir den Planeten, auf dem wir leben, nicht zerstören dürfen
  • ... ein gesundheitliches Problem, da die Natur für eine bessere Luftqualität sorgt, Umweltschadstoffe reduziert und unsere Städte kühl hält.

Schon gewusst?

  • Bis zu 300 Millionen Menschen sehen sich aufgrund zerstörter küstennaher Lebensräume und Meeres-Schutzzonen bereits heute einem erhöhten Überflutungs- und Orkanrisiko ausgesetzt
Was kannst du tun?
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Wie können wir diesen Verlust noch aufhalten?

Laut Wissenschaftlern sind die nächsten zehn Jahre entscheidend. Wir müssen unsere Lebensweise grundlegend ändern – von Energiesystemen und der Bodennutzung über unsere Gebäude und Städte bis hin zum Transportwesen und zu unseren Lebensmitteln, um bis spätestens 2050 klimaneutral zu werden. Der europäische Grüne Deal ist die Antwort der EU auf diese Krise.

Die meisten erforderlichen Technologien existieren bereits, sie müssen aber eine breitere Anwendung finden. Wir müssen sie umgehend anwenden, sauberere Energiequellen verwenden, die Abholzung senken, den Boden besser bewirtschaften und auf eine nachhaltige Landwirtschaft umstellen. Noch mehr Unternehmen müssen sich bewusst machen, dass sie zur Produktion von Lebensmitteln, Faserstoffen und Baumaterial auf natürliche Rohstoffe angewiesen sind. Sie müssen Verbrauchs- und Produktionsmodelle übernehmen, die dem Erhalt und der nachhaltigen Nutzung der Artenvielfalt dienen.

Wie will Europa das Problem lösen?

Im Rahmen des neuen Grünen Deals verpflichtet sich Europa bindend für drei Prioritäten einer neuen Biodiversitätsstrategie: Schutz der Artenvielfalt vor weiteren Schäden, Wiederherstellung bei bereits entstandenen Schäden und Gewährleistung, dass die Artenvielfalt zum zentralen Anliegen in allen relevanten Politikfeldern wird.

Auf internationaler Ebene ist die EU einer der stärksten Unterstützer des Artenvielfaltschutzes und der nachhaltigen Nutzung natürlicher Rohstoffe. Die EU setzt mit Programmen, die direkt auf die Biodiversität abzielen, sowie mit Programmen, die die Biodiversität in anderen Bereichen in den Fokus rücken, jährlich über 350 Millionen Euro zum Schutz der Artenvielfalt in Entwicklungsländern ein. 2018 hat die EU beispielsweise 66 Schutzgebiete in 27 Ländern in Afrika südlich der Sahara finanziert.

Europa strebt an, dass sich die Staats- und Regierungschefs aus aller Welt bei dem Treffen in Kunming (China) im Frühjahr 2021 auf ein übergeordnetes Ziel für den Schutz der biologischen Vielfalt einigen. Dies entspräche dem Pariser 1,5°-Ziel. Auf der 15. Tagung der Biodiversitätskonvention (CBD COP 15) sollen die Fortschritte hinsichtlich der aktuellen weltweiten Biodiversitätsziele abgeglichen und die Messlatte für die nächsten zehn Jahre höher gesteckt werden.

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Was kann ich tun?


Bürger

  • Gehen Sie hinaus und genießen Sie die Natur! Bewandern Sie eines der Natura 2000-Schutzgebiete in Ihrer Nähe
    https://natura2000.eea.europa.eu/#
  • Fördern Sie ein wissenschaftliches Bürgerprojekt
  • Prüfen Sie, ob EU-Naturschutzgesetze in Ihrem Land angewendet werden (siehe diesbezüglichen Abschnitt in diesem Bericht)
    https://ec.europa.eu/environment/eir/country-reports/index_en.htm
  • Kontrollieren Sie Ihren Verbrauch von Rohstoffen. Machen Sie sich die Auswirkungen Ihrer Lebensführung auf die Natur bewusst, packen Sie eine Herausforderung an und verändern Sie etwas
    https://www.anatomyofaction.org/
  • Setzen Sie Politiker unter Druck. Appellieren Sie an Staatsoberhäupter, im Oktober 2020 im chinesischen Kunming ein wirksames, ehrgeiziges globales Abkommen zum Schutz und zur Wiederherstellung der Natur zu beschließen
    https://explore.panda.org/voice

Unternehmen

Viele Unternehmen erkennen mittlerweile, dass sie ihre Auswirkungen auf und die Abhängigkeit von natürlichem Kapital und der Umwelt als Grundlage ihres Handels beurteilen und einstufen und dafür Rechenschaft abgeben müssen. Ihnen wird bewusst, wie sie so ihre finanziellen Risiken besser einschätzen und sich eine umfassende Nachhaltigkeitsmetrik für das 21. Jahrhundert aneignen können.

Dadurch entstehen Unternehmen einige Vorteile:

  • langfristiges Überleben ihres Geschäftsmodells,
  • Kosteneinsparungen,
  • Steigerung der Betriebseffizienz,
  • erhöhte Marktanteile,
  • Zugang zu neuen Märkten, Produkten und Dienstleistungen,
  • prognostizierbare, stabile Lieferketten und
  • bessere Beziehungen zu Interessengruppen und Kunden.

Die Wirtschaftsgrößen Europas entwickeln zurzeit Methodiken auf Portfolio-Ebene, mit denen sie ihre Umweltauswirkungen messen wollen.

Es müssen noch mehr Unternehmen Verbrauchs- und Produktionsmodelle übernehmen, die dem Erhalt und der nachhaltigen Nutzung der Biodiversität dienen. Ein die Artenvielfalt fördernder Ansatz wird das Ansehen bei den Kunden erhöhen und kann uns allen neue wirtschaftliche Chancen bringen.

Melden Sie sich auf der Unternehmens- und Biodiversität-Plattform an und lernen Sie von den Erfahrungen anderer: https://ec.europa.eu/environment/biodiversity/business/index_en.htm

Großstädte

Nehmen Sie an der Grünen Woche der EU teil!

Zwischen Mitte September und Oktober werden in ganz Europa zahlreiche Veranstaltungen stattfinden. Hier werden verschiedene Herausforderungen im Zusammenhang mit der Natur und der Biodiversität erörtert.

Die Veranstaltungen bieten Ihnen Gelegenheit, sich über Ihre Ansichten auszutauschen, dazuzulernen und bei Themen mitzureden, die Ihnen wichtig sind. Nehmen Sie doch einfach an einer Veranstaltung in Ihrer Nähe teil oder folgen Sie #EUGreenWeek in den sozialen Netzwerken!

Sie können die Brüsseler Konferenz auch per Internet-Streaming verfolgen.